Walter Lehki erfolgreich in Italien - Der Rennrad-Klassiker von Mailand nach San Remo - eine Herausforderung der Sonderklasse!!!

Als einer von ca. 800 Fahrern nahm ich am 6. Juni die 297 km der Tourversion von Mailand nach San Remo in Angriff. Nachdem die ersten 130 Kilometer des längsten Klassikerrennens im Profizirkus von der Topologie her nicht sehr anspruchsvoll sind (keine 300 Höhenmeter), bildete sich ein riesiges Spitzenfeld mit ca. 600 Fahrern, das die gesamte Straßenbreite in Anspruch nahm.  Der Gegenverkehr wurde von den Begleitmotorrädern zur Seite gescheucht, und wenn das nicht gelang, ging ein lautes Raunen von vorne nach hinten durchs Feld, so dass alle gewarnt waren und rechtzeitig abbremsen konnten. Aber nicht immer schafften es alle, und dann gab es zwangsläufig wieder eine Kollision im Feld.
Der erste Teil des Rennens war eine sehr unruhige Fahrt, immer wieder musste man scharf abbremsen und zum Teil ging es recht wild rechts und links um die Kreisverkehre, im Notfall wurde auch über die Begrenzung in der Mitte gesprungen und bei Stürzen musste auch ich das eine oder andere Mal aus den Pedalen. Und nach den Engstellen hieß es wieder antreten und hochbeschleunigen auf 45 km/h. Die ersten 100 km legten wir knapp über 2:30 zurück und auch auf dem Turchino-Pass lag der Schnitt noch bei fast 39 km/h.
An der Auffahrt zum Turchino (532m), die ebenfalls sehr hektisch gefahren wurde, erfolgte die erste Selektion auf ca. 70 Fahrer in der Spitzengruppe, die ich problemlos halten konnte. Eine große Schrecksekunde hatte ich allerdings in der Abfahrt, als mich ein wahnsinniger Italiener unbedingt überholen musste und mich dabei anrempelte. Ich kam ins Trudeln und wäre bald mit 70 in den Gegenverkehr geknallt. Gott sei Dank konnte ich noch rechtzeitig aussteuern, sonst wäre dieser Bericht hier zu Ende.
Aber auch die wellige Küstenstraße von Genua nach San Remo ist nichts für schwache Nerven. Begleitet von einer Motorradeskorte sausten wir durch die Städte und Ortschaften am Meer und überfuhren zumindest 50 rote Ampeln mitten im Verkehrsgewühl an einem heißen Badetag. Gefragt waren auf jeden Fall ein gutes Auge und auch ein wenig Glück, um nicht eines der stehenden Autos oder eine Begrenzung, sei es Baustelle oder Fahrbahnteiler, zu küssen.
Die Vorentscheidung im Rennen selbst fiel bereits an der Auffahrt zur Capo Berta nach gut 250 km, wo sich eine 10er-Gruppe absetzen konnte, die ich leider verschlafen hatte. Da ich noch relativ gute Beine hatte, versuchte ich aus einer rund 20köpfigen Verfolgergruppe nachzusetzen, verhungerte jedoch alleine im Wind und hatte damit auch meine letzten Körner verschossen. An der Cipressa und am Poggio attackierte aus meiner Gruppe niemand mehr ernsthaft, anscheinend waren alle durch die zahlreichen kleinen Anstiege (in Summe dann doch fast 2.000 Höhenmeter) und die Hitze schon so platt wie ich und nur noch froh, irgendwie das Ziel in San Remo zu erreichen. Nach 7:54:46 Stunden erreichte ich schließlich das Ziel, wo ich als 18. (4. in der AK) klassiert wurde und damit 5:25 Minuten hinter dem Sieger lag.  Auf den achten Gesamtrang fehlten gerade einmal 44 Sekunden.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Rennen natürlich durch die enorme Länge, aber vor allem durch den Stress in der großen Gruppe sehr schwer wird. Man muss ständig aufpassen wie ein „Haftelmacher“ und auch zahlreiche Berührungen mit anderen Fahrern kommen vor. Obwohl es von der Topologie her überhaupt nicht vergleichbar ist, bin ich kaputt wie nach dem Ötztaler Radmarathon. Die enorme Hitze, die vielen Tempowechsel und dazu auch noch die Reisestrapazen (2.100 km mit dem Auto) fordern auch 6 Tage nach dem Rennen noch ihren Tribut.

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